Im Reich der schönen, wilden Natur – Der Landschaftszeichner Heinrich Theodor Wehle (1778–1805)

Schon Johann Wolfgang von Goethe erkannte in dem Lausitzer Künstler Heinrich Theodor Wehle ein hoffnungsvolles Talent, dem ein „glücklich künstlerischer Blick in die Welt“ beschieden war. Nach der letzten Ausstellung zum 200. Geburtstag des Künstlers in Görlitz ist nun aus Anlass des 200. Todestages ein neuer Blick auf sein faszinierendes Werk möglich. Heinrich Theodor Wehle hat in einer kurzen Schaffenszeit einen eigenständigen Typus der sentimentalischen Landschaft entwickelt und damit die romantische Auffassung von Landschaft im Sinne Caspar David Friedrichs vorbereitet.
1778 in Förstgen bei Kreba als Sohn eines sorbischen Pfarrers geboren, genoss Wehle zunächst eine Ausbildung an der Görlitzer Zeichenschule bei Christoph Nathe. Später studierte er in Dresden, war Landschaftszeichner im Dienst der Chalcographischen Gesellschaft in Dessau und gelangte dann nach St. Petersburg. Als Kartograph und Zeichner bereiste er im Auftrag des Zaren Alexander I. den Kaukasus und hielt dort als erster westeuropäischer Künstlers die wilde Landschaft fest. Krank und erschöpft kehrte er 26-jährig über Italien in die Oberlausitz zurück. 1805 starb er in Bautzen.
Trotz seines kurzen Lebens hinterließ Wehle ein umfangreiches Werk. Seine Zeichnungen befinden sich in vielen europäischen Sammlungen. Einen Hauptteil bewahren die Lausitzer Museen auf. Diese Werke werden zusammen mit bisher unbekannten Zeichnungen aus Posen und Warschau sowie aus Privatbesitz in Görlitz präsentiert. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sorbischen Museums und des Stadtmuseums in Bautzen, der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau und des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit einem illustrierten Werkverzeichnis erschienen.