In den Brunnen gefallen

Archäologische Brunnenfunde aus der Görlitzer Hugo-Keller- Straße

Ende des Jahres 1981 kam bei Bauarbeiten in der Görlitzer Hugo-Keller-Straße ein bedeutsamer Fund ans Tageslicht – ein verfüllter, aus Feldsteinen gesetzter Brunnen. Herbert Köppert von den Görlitzer Heimatforschern alarmierte umgehend die städtischen Archäologen. Der lange vergessene Brunnen war bis zum Rand mit Scherben von wertvollen importierten Steinzeugkrügen, Fayence-Tellern, figürlich verzierten Ofenkacheln und gläsernen Weinkelchen gefüllt – der Hausstand einer Patrizierfamilie der Zeit um 1600. Auch profane Dinge wie Alltagsgeschirr, Schmelztiegel von Buntmetallschmieden oder Kindermurmeln aus Ton kamen zum Vorschein. Wem aber gehörten die wertvollen Keramiken und Gläser? Welches Unglück führte dazu, dass die Sachen zerbrachen? Am 30. Oktober 1633 plünderten im Dreißigjährigen Krieg feindliche Truppen die Stadt. Etliche Häuser brannten nieder oder wurden durch Kanonenbeschuss zerstört. Vielleicht kamen dabei auch das Haus des wohlhabenden Bürgers Fabian Hagedorn, Besitzer des Brauhofes Langenstraße 32, sowie benachbarte Gebäude zu Schaden. Zerbrochenes Geschirr und beschädigte Kachelöfen entsorgte man in einem in der Nähe gelegenen Brunnen. Dieser befand sich an einem wohl ebenfalls zerstörten Handwerkerhaus im einstigen Jüdenring – der heutigen Hugo-Keller-Straße – gleich hinter der Stadtbefestigung und war unbrauchbar geworden. Das Grundstück wurde erst 200 Jahre später wieder bebaut.

In der Ausstellung werden neben wertvollen reliefverzierten Waldenburger Steinzeugkrügen und Muskauer Keramiken auch profane Fundstücke gezeigt. Darunter befinden sich der Siegelring eines Schmieds oder Knochenabfälle eines Knopfmachers.