Erhabene Ruinen – Graphiker sehen die klassische Antike.

Im Jahre 1755 trat Johann Joachim Winckelmann seine lang ersehnte Romreise an. Mit der Aufforderung zur Nachahmung griechischer Kunst leitete er als Begründer der antiken Kunstgeschichte den Klassizismus als richtungsweisende Stilrichtung für Künstler und Architekten des 18. und 19. Jh. ein. Winckelmann selbst kannte allerdings nur den Widerschein griechischer Kunst im künstlerischen Schaffen der Römischen Kaiserzeit.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Darstellungen der antiken Ruinenstätten in Italien, später auch in Griechenland. Große Verbreitung erfuhren die Ansichten römischer Baudenkmäler durch den italienischen Künstler Giovanni Batista Piranesi ( 1720 – 1778 ) Einige seiner schönsten Blätter fanden auch ihren Weg nach Görlitz. Die Kunstwerke entstanden als Ausdruck des in dieser Zeit neu erwachten Interesses an der klassischen Antike. Auslöser für die Begeisterung war unter anderem die in dieser Zeit vermehrte Reisetätigkeit des Adels und des Bürgertums. Zugleich war dies auch die Geburtsstunde der heutigen Klassischen Archäologie. Freude an Ruinenromantik und wissenschaftlicher Forscherdrang gingen damals allerdings noch Hand in Hand, wie die jetzt erstmals präsentierten Blätter von Winckelmanns Zeitgenossen Johann Friedrich Karl Dauthe, Jakob Philipp Hackert, Johann Christian Klengel und Sebastian Karl Christian Reinhart vor Augen führen. Wir verdanken sie dem Universalgelehrten Adolf Traugott von Gersdorf, der die Grafiken auf seinen Reisen erworben hat.