Götter, Gräber und Gelehrte

Königswartha subterranea und der Beginn archäologischer Forschung in der Oberlausitz

Das Interesse an Hinterlassenschaften der heimatlichen Vorzeit erwachte bereits im 16. Jahrhundert. 1544 schrieb Sebastian Münster in seiner berühmten “Kosmographie”, dass es in der Erde rätselhafte “wachsende” Töpfe gebe. Im Jahre 1595 soll der spätere habsburgische Kaiser Matthias (1612 – 1619) für seine Sammlungen Urnen empfangen haben, die bei Muskau gefunden wurden. Die tatsächliche Bedeutung solcher Altertumsfunde wurde allerdings erst im 18. Jahrhundert wirklich aufgeklärt. Der schlesische Pastor und Gelehrte Leonhard David Hermann berichtet noch in seiner 1711 erschienenen “Maslographie”, dass man in der Niederlausitz zu Pfingsten selbstgewachsene Urnen grübe. Er selbst erkannte in den ausgegrabenen Tongefäßen allerdings bereits vorgeschichtliche Grabfunde. Zwischen 1786 und 1793 ließ der Geheimrat und Domdechant zu Meißen Graf Johann Carl Friedrich von Dallwitz (1742 – 1796), Besitzer der Domäne Königswartha bei Bautzen, unweit des Schlosses einen Urnenfriedhof der Bronzezeit ausgraben. Bei den Funden handelte es sich nach damaligem Kenntnisstand um “serbische Begräbnis- und andere Urnen”. Die wertvolle Sammlung wurde 1798 für stolze 200 Taler durch die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz angekauft – im Ganzen 230 Objekte. Dazu gehörte ein Exemplar der durch den Dresdener Architekten und Maler Julius Friedrich Knöbel gefertigten Prachtbände “Königswartha subterranea” mit getreuen Abbildungen sämtlicher Fundstücke. Die Anerkennung der Ur- und Frühgeschichtsforschung als regelrechte akademische Disziplin sollte allerdings noch über 100 Jahre auf sich warten lassen.
Die Ausstellung zeigt anhand archäologischer Ausgrabungsstücke, originaler Archivalien und kostbarer archäologischer Buchbestände aus eigenen Beständen die mitunter mühevollen Anfänge archäologischer Forschung in der Oberlausitz.