Vernissage
| 10. Oktober 2008 | ||
| 18:00 | bis | 19:00 |
Der Philosoph, Mathematiker und Experimentator E. W. v. Tschirnhaus auf Kieslingswalde“
Manuskripte, Dokumente und Exponate aus der Oberlausitzischen Bibliothek und dem Kulturhistorischen Museum
Barockhaus, Oberlausitzische Bibliothek
Ehrenfried Walter von Tschirnhaus (1651 – 1708)
Am 11. Oktober 1708 „um 4 Uhr des Morgens that seine Augen zu und entschlief“ der „weltberühmte Ritter Ehrenfried Walther von Tschirn¬hauß auff Kießlingswald und Stoltzenberg“.
Die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften zu Görlitz (OLB) würdigt aus Anlass des 300. Todestages von E. W. von Tschirnhaus das Leben und Wirken des herausragenden Vertreters der europäischen Frühaufklärung aus der Oberlausitz mit mehreren Veranstaltungen und einer Kabinettausstellung im historischen Bibliothekssaal.
E. W. von Tschirnhaus wurde am 10. April 1651 in Kieslingswalde bei Görlitz geboren. Als Schüler besuchte er das Görlitzer Gymnasium, wo bereits die Grundlagen für seine späteren Interessen gelegt wurden. 1669 ließ er sich an der Juristischen Fakultät der Leidener Universität einschreiben. Dort studierte er Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie. Nach seinen Studien in den Niederlanden begab sich Tschirnhaus auf mehrjährige Studienreisen durch Europa. Dabei traf er auf die bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit und trat in regen Gedankenaustausch mit ihnen. Eine lange und intensive Freundschaft verband ihn z.B. mit dem bedeutenden Physiker Christiaan Huygens (1629-1695). Durch seine mathematischen Forschungen entwickelte sich auch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716). Als Freund und Förderer unterstützte Tschirnhaus den verfemten Philosophen Spinoza (1632-1677).
Für seine philosophischen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen wurde Tschirnhaus 1682 zum ersten deutschen auswärtigen Mitglied der Französischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Große Anerkennung erlangte er durch seine Forschungen zur Glasproduktion und durch die Herstellung von Brenngläsern und Brennspiegeln, die er in seinem Laboratorium in Kieslingswalde fertigen ließ. Ergebnisse seiner Arbeit befinden sich noch heute im Mathematisch – Physikalischen Salon im Dresdener Zwinger.
Unbestritten ist Tschirnhausens Beitrag zur Erfindung des europäischen Porzellans. Seine Arbeiten und Experimente, seine Beratung und Unterstützung für Johann Friedrich Böttger ermöglichten schließlich die Herstellung des Meißner Porzellans. Seit 1700 verbrachte E. W. von Tschirnhaus die meiste Zeit am Hof von August dem Starken in Dresden. Sein Tod am 11. Oktober 1708 in Dresden riss ihn mitten aus seinem Schaffen.

