Regionalgeschichtliches Kolleg

21. Januar 2009
16:00bis17:00

„Traum und Albtraum der Moderne. Transportable Holzbauten aus Niesky im Zeitalter des Nationalsozialismus“
Kai Wenzel, Barockhaus

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte die Christoph & Unmack AG in Niesky zu den größten Holzbaubetrieben in Europa. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert hatte das Unternehmen die Architekturproduktion in Großserie perfektioniert. Ein wesentliches Geschäftsfeld war die Herstellung transportabler Baracken und Pavillons. Sie wurden gleichermaßen für Schulen und Krankenhäuser wie für Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager verwendet. Nach dem Ersten Weltkrieg entdeckten namhafte Architekten die Konstruktionsprinzipien des Barackenbaus für wegweisende Holzhauskonzepte. Christoph & Unmack arbeitete in dieser Zeit mit Architekten wie Hans Poelzig, Ernst May, Hans Scharoun und Konrad Wachsmann zusammen. Ab 1933 konzentrierte sich das Unternehmen wieder weitgehend auf den Barackenbau. In Niesky wurde ein Entwicklungsbüro des Reichsarbeitsdienstes eingerichtet, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs regelmäßig Typenblätter heraus gab, nach denen mehrere hundert Vorfertigungsbetriebe im Reich und den besetzten Gebieten transportable Holzbaracken herstellten. Sie wurden für Lager des Reichsarbeitsdienstes, des Reichsautobahnbaus, der SA und der Wehrmacht, aber auch für die Zwangsarbeiterlager zahlreicher Wirtschaftsunternehmen und für die Konzentrations- und Vernichtungslager der SS verwendet. Diese in Niesky entwickelten und in Großserie hergestellten Barackenbauten haben das nationalsozialistische Lagersystem in seinen Ausmaßen mit ermöglicht.