Roentgen-Standuhr wird restauriert

Wertvolle Uhr gibt ihre Geheimnisse preis.
Restaurierung eines Prunkstückes aus dem Görlitzer Museum kann erfolgen

Seit vergangenem Jahr kann im Kulturhistorischen Museum Görlitz ein umfangreiches Restaurierungsprojekt durchgeführt werden. Dank der Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung der Länder sowie mit Hilfe der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen können im Rahmen des KUR-Programms  einzigartige Objekte aus den wertvollen Sammlungen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften restauriert und damit für die Zukunft bewahrt werden.

Auch 2009 wurden bzw. werden mehr als zweihundert Objekte restauriert – von historischen Sammlungsmöbeln, über Zeichnungen und Druckgrafiken und bis hin zur Holzbibliothek aus der Sammlung des Adolf Traugott von Gersdorf.

Die Görlitzer Roentgenuhr

RoentgenuhrVergangene Woche wurde mit der Restaurierung eines ganz besonderen Kunstwerkes begonnen, der Görlitzer Roentgenuhr aus dem Jahre 1791.

Diese Standuhr, deren finanzieller Wert dem eines geräumigen Mehrfamilienhauses entspricht, ist ein Prunkstück in den Sammlungen des Barockhauses und in mehrfacher Hinsicht eine künstlerisch-technische Meisterleistung. In ihrem Inneren verbirgt sich ein kompliziertes Uhrwerk, das nicht nur die Zeit anzeigt, sondern auch Melodien spielen kann. Auf einer Messingwalze sind fünf verschiedene Musikstücke gespeichert, die von einer eingebauten hölzernen Orgel sowie einem Spinett zum Klingen gebracht werden. Welche Melodien das sind, lässt sich momentan nicht sagen, da die Uhr sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Gang setzen ließ. Bekannt ist aber, dass namhafte Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn kleine Stücke für so genannte Flötenuhren schrieben. Auch das mehr als zwei Meter hohe Gehäuse der Uhr ist eine Meisterleistung für sich. Gestaltet in den Formen des Klassizismus wurde über einem Korpus aus Laubholz ein sorgfältig verarbeitetes Mahagonifurnier und feuervergoldete Zierelemente aufgetragen.

David Roentgen – der Kunstschreiner

Die Görlitzer Uhr ist ein Gemeinschaftswerk zweier Manufakturen, die für ihre hochwertige Arbeit bis heute weltweit bekannt sind: die des Kunstschreiners David Roentgen (1743-1807) sowie des Uhrmacher Peter Kinzing (1745-1816) in Neuwied am Rhein. Die Familie Roentgen gehörte der Herrnhuter Brüdergemeine an und hatte enge familiäre Verbindungen in die Oberlausitz.

1772 übertrug sein Vater, Abraham Roentgen, ihm die Leitung des erfolgreichen Betriebes in Neuwied, das sein Sohn alsbald zu einem Unternehmen von Weltruf ausbaute. Kostbare Ausstattung, meisterhafte Verarbeitung und raffinierte Mechanismen machten die Möbelstücke aus Neuwied bald zu begehrten und teuer bezahlten Luxuswaren der Königs- und Fürstenhäuser ganz Europas. Die meisten seiner Möbel verkaufte er an den Hof Katarinas der Großen nach Russland. Der französische König Ludwig XVI. verlieh ihm den Titel „Königlicher Kunsttischler für mechanische Möbel“. Standuhren, die der in Görlitz ähnlich sind, finden sich unter anderem im Großherzoglichen Palais in Luxemburg und in der Eremitage von St. Petersburg.

Restaurierungsarbeiten an der Görlitzer Standuhr

Die jetzt begonnenen umfangreichen Restaurierungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Mathematisch-Physikalischen Salon Dresden, dessen Chefrestaurator Andreas Holfert auch die Arbeiten am wertvollen Werk durchführen wird. Dafür wurde die Uhr vor wenigen Tagen zunächst auseinander gebaut. Einige ihrer technischen Besonderheiten wurden dabei bereits sichtbar, etwa ihr ausgeklügelter Aufbau, der es erlaubt – Demontage_Roentgenuhrhat man die Konstruktion erst einmal verstanden – auch nach über zweihundert Jahren die Uhr noch problemlos in verschiedene Baugruppen zu zerlegen. Eine bemerkenswerte Entdeckung machten die Restauratoren beim Gehäuse. Hier zeigte sich, dass in diesem ein bereits fertiges, ebenfalls mit Mahagonifurnier und Zierelementen ausgestattetes zweites Uhrengehäuse steckt, das von Roentgen einfach wieder verwendet und überbaut worden war. Ob es von einer Uhr stammte, die einem anderen Kunden nicht gefallen hatte, oder ob der Meister selbst mit dem Werk nicht zufrieden war und es deshalb verwarf, wird sich wohl nicht mehr klären lassen.

Nach der Restaurierung und der Wiedereröffnung des Barockhauses wird die restaurierte Uhr im historischen Versammlungssaal der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften wieder dauerhaft ausgestellt. Zu besonderen Gelegenheiten werden dann auch ihre Melodien wieder zu hören sein.

gefördert im KUR-Programm zur Konservierung und Restaurierung von mobilem Kulturgut

und mit Hilfe von