Zeichnung einer jungen Dame
Bedeutende Entdeckung im Graphischen Kabinett
Diese Zeichnung einer jungen Dame, die Johann Gottfried Schultz am 10. März 1755 nach einem Gemälde von Paolo Veronese schuf, gehört mit zum umfangreichen Konvolut bisher unbekannter grafischer Meisterwerke, die im Kulturhistorischen Museum entdeckt wurden.
Für die bevorstehende Sanierung des Barockhauses Neißstraße 30 wurden im Frühjahr 2009 die umfangreichen Sammlungen des Kulturhistorischen Museums in ein Ausweichdepot verlagert. Um diesen Umzug vorzubereiten, wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums einige zehntausend Objekte verpackt. Dabei kamen in den Depoträumen auch so manche, im Lauf der Zeit in Vergessenheit geratene Objekte zum Vorschein. Die wohl bedeutendste Entdeckung wurde im Graphischen Kabinett gemacht. In der Schublade einer Grafikkommode, die zum Bestand des historischen Mobiliars des Barockhauses gehört, das noch auf die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zurück geht, fanden sich mehr als einhundert bisher nicht bekannte Handzeichnungen. Sie stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und wurden überwiegend vom Görlitzer Zeichner Johann Gottfried Schultz geschaffen. Bis heute sehr populär sind dessen Ansichten von Kirchen, Schlössern und Kunstdenkmälern der Oberlausitz und angrenzender Regionen, die Schultz in mehr als einem Dutzend Sammelbänden zusammenstellte. Seit 1758 hatte er in der Neißestadt eine private Zeichenschule betrieben, zu deren bekanntesten Absolventen Christoph Nathe gehörte. Sein gesamtes Oeuvre vererbte Johann Gottfried Schultz der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Auch die jetzt aufgefundenen Zeichnungen gehören zu diesem Nachlass. Sie stammen aus den Anfangsjahren der Schultz’schen Zeichenschule. Das Konvolut, das der Zeichner noch selbst fein säuberlich nach Themen sortiert hatte, umfasst Studien nach antiken Skulpturen und Werken berühmter Maler und Grafiker der Renaissance und des Barock. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Landschafts- und Architekturzeichnungen, die Schultz auch auf diesen Gebieten als versierten Meister ausweisen. Auf allen Blättern ist rückseitig auf den Tag genau das Datum vermerkt, an dem sie entstanden. Neben eigenhändigen Zeichnungen gehören zu dem Grafikfund aber auch Arbeiten anderer Künstler, mit denen Schultz befreundet war. Es bedarf noch einer genauen Aufarbeitung, bevor alle Autoren des Zeichnungskonvoluts identifiziert sein werden. Nach der Sanierung des Barockhauses sollen die Blätter Gegenstand einer Ausstellung sein.

