Bewahrte Zierde

Barocke Skulpturen und Architekturfragmente in der Alten Feierhalle des Städtischen Friedhofs

Justitia-HPDas Kulturhistorische Museum bewahrt zahlreiche Skulpturen und Architekturteile von Görlitzer Häusern. Geschaffen im 18. Jahrhundert von hiesigen Bildhauern sind sie Zeugnisse einer Epoche, die zu den kulturellen und wirtschaftlichen Blütezeiten der Neißestadt gehört. Bisher befanden sich diese Stücke im Barockhaus Neißstraße 30. Für die bevorstehende Sanierung des Gebäudes werden nun auch die steinernen Objekte ausgelagert. In Kooperation mit dem Eigenbetrieb Städtischer Friedhof zeigt das Museum die eindrucksvollsten Skulpturen und Architekturteile in einem Schaudepot in der Alten Feierhalle des Städtischen Friedhofs. Das 1874 errichtete spätklassizistische Gebäude mit seiner Säulenhalle und dem imposanten Kuppelsaal bildet dafür einen idealen räumlichen Rahmen. In thematischen Gruppen werden Figuren aus einem Görlitzer Garten, Architekturelemente von verschwundenen Häusern und andere sandsteinerne Objekte präsentiert, darunter viele Stücke, die seit Jahrzehnten erstmals wieder öffentlich gezeigt werden.

Als ein besonderes Glanzstück der barocken Bildhauerkunst in Görlitz wird in der Feierhalle auch die Figur der Göttin Minerva gezeigt. Sie stammt von der Fassade des Hauses Obermarkt 31, das am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört Plastikwurde. Ihre Entstehung verdankt die Figur einer anderen Katastrophe: Beim Stadtbrand 1717 waren auch die Häuser an der Nordseite des Obermarktes abgebrannt. Der Besitzer von Nr. 31, der Bürgermeister Franz Straphinus, ließ einen Neubau mit einer prachtvollen Barockfassade errichten. Für den figürlichen Schmuck konnte er den Bildhauer Caspar Gottlob von Rodewitz (1680-1721) gewinnen. Rodewitz, der seine Lehre vermutlich bei einem Mitarbeiter Balthasar Permosers in Dresden absolviert hatte, war seit 1709 Bürger von Görlitz und mit der Gestaltung des Hochaltars in der Dreifaltigkeitskirche und der Innenausstattung der Kirche in Deutsch Ossig (heute Hoffnungskirche Görlitz-Königshufen) beauftragt. Für das Portal des Hauses Obermarkt 31 schuf er eine nahezu lebensgroße Figur der Göttin Minerva. Sie wurde ursprünglich von zwei liegenden Löwenfiguren flankiert. Diese Situation soll in der Feierhalle nun erstmals wieder rekonstruiert werden.

Das Kulturhistorische Museum und der Städtische Friedhof laden zur Eröffnung in der Alten Feierhalle (Schanze 11b) am 9. Oktober, um 17.00 Uhr herzlich ein. Danach kann das Schaudepot zu den Betriebszeiten der Friedhofsverwaltung sowie im Rahmen von thematischen Führungen besichtigt werden.

Vernissage

9. Oktober 2009, 17.00 Uhr

Öffnungszeiten

Montag, Donnerstag und Freitag 9.00 – 12.00 Uhr
Dienstag 9.00 – 12.00 Uhr und 13.00 – 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag 11.00 – 16.00 Uhr
(Bitte am Wochenende in der Nikolaikirche melden.)

Öffentliche Führungen 2010

7. Mai, 14.00 Uhr, Ines Anders
16. Juli, 18.00 Uhr, Ines Anders
11. August, 17.00 Uhr, Kai Wenzel
8. Oktober, 14.00 Uhr, Kai Wenzel

Sonstige Veranstaltungen 2010

18. Juni, 18.00 Uhr
Musikalisches zur Mittsommernacht in der Alten Feierhalle
Konzert und Führung

12. September, 10.00 – 18.00 Uhr
Tag des Offenen Denkmals