Archäologischer Spaziergang auf die Landeskrone
| 5. Mai 2010 | ||
| 17:00 | bis | 18:30 |
Dr. Jasper von Richthofen
Treff: Endhaltestelle der Straßenbahn Biesnitz
Die Landeskrone ist für die Görlitzer und ihre Gäste im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Aber nur wenige der zahlreichen Besucher wissen, dass der weithin sichtbarer Hausberg auf eine lange, sehr wechselhafte, aber vor allem kriegerische Geschichte zurück blickt.
Archäologische Funde zeigen, dass bereits vor 3000 Jahren während der Bronze- und Eisenzeit auf dem Gipfel eine Burg gestanden hat. Noch heute sichtbare Reste von Wallanlagen des 9. bis 12. Jahrhunderts auf dem Gipfelplateau und am Südhang des Berges geben seine militärische Funktion in slawischer Zeit zu erkennen. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich auf der Landeskrone eine Adelsburg als Lehen der böhmischen Krone. Spuren dieser 1440 abgebrochenen Burg sind heute im Gelände nicht mehr auszumachen, nur Fundamentreste, die 1859 beim Bau der Gaststätte zum Vorschein kamen, lassen ihr einstiges Aussehen noch erahnen.
Eindrucksvoll bezeugen Fundstücke vor allem die Bedeutung der heute verfallenen Wallanlage als Hauptburg und Herschersitz der im Görlitzer Raum siedelnden Slawen. Unter dem Schutz mächtiger, bis zu acht Meter starker Steinmauern ließen sich Handwerker und Händler nieder. Ein beinahe städtisches Treiben muss damals den heute dicht bewaldeten Berg belebt haben. Im Sommer des Jahres 1015 kam es allerdings zu dramatischen Ereignissen, die diese viel versprechende Entwicklung beendeten. Der böhmische Herzog Othelrich erobert die „große Burg Biesnitz“ und nimmt 1000 der Verteidiger gefangen. Das weitere Schicksal der Burgbewohner bleibt ungewiss. Wäre die Geschichte damals vielleicht anders verlaufen, würde die Görlitzer Altstadt heute zweifellos am Fuß der Landeskrone und nicht am Ufer der Neiße liegen.

