Podiumsdiskussion con moto „3. Generation Ost“

Als „3. Generation Ost“ werden die sogenannten „Wendekinder“ bezeichnet, die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren wurden. Sie wuchsen infolge der durch die friedliche Revolution eingeleiteten Wende und Wiedervereinigung Deutschlands in zwei politischen Systemen auf und nahmen entsprechende Veränderungen, Konflikte und Krisen, die ihre Familien und auch sie selbst betrafen, bewusst wahr.
Die Umbrucherfahrung von 1989 hatte einen merklichen Einfluss auf diese Generation, denn sie erlebte den umfassenden Systemwandel mit, der nicht nur Reisefreiheit und Konsummöglichkeiten, sondern oft auch Unsicherheit, Trennungen, Umzüge und Arbeitslosigkeit für ihre Eltern mit sich brachte. Und die Erwachsenen konnten in dieser Zeit nicht oder kaum eine Richtung vorgeben und waren selbst mit der Neuordnung ihres Lebens beschäftigt. Diese Orientierungslosigkeit und Unsicherheit der Eltern sowie die eigene Identitätssuche holte viele der „Wendekinder“ wieder ein.
Das Land, das sie aus ihrer Kindheit kannten, existierte real nicht mehr, war aber noch in den Köpfen vorhanden. Viele aus der dritten Generation Ost wanderten im Zuge der Arbeitssuche in Richtung Westdeutschland oder ins westliche Ausland ab, so dass in vielen Gemeinden kaum noch „Wendekinder“ zu finden sind und meist die ältere Generation zurückblieb. In einigen Städten wurden ganze Wohnkomplexe abgerissen, so dass einige Repräsentanten der dritten Generation nicht einmal mehr an die Orte ihrer Kindheit zurückgehen können, da diese baulich nicht mehr existieren.
Über diese Thematik soll am 20. März 2017, 18:00 Uhr im Kaisertrutz diskutiert werden. Als Podiumsgäste begrüßen wir dazu mit Heiko Kammler, Kristin Schütz, Robert Lorenz und Mirko Schultze Vertreter der 3. Generation Ost.
Die Moderation führen Jasper v. Richthofen und Matthias Krick.
Den musikalischen Rahmen gestaltet der PhilMehr! Philharmonische Brücken e. V.
Eröffnung: Thomas Stapel – Goliath-Skizzen für Altsaxophon und Klavier 2. Nach der Begrüßung/Einführung/Impuls: Thomas Stapel – Traumfäden für Violine und Klavier 3. Zwischenspiel (während der Diskussion): Thomas Stapel – Fünf Tanzminiaturen für Altsaxophon und Klavier (Teil 1) 4. Abschluss: Thomas Stapel: Fünf Tanzminiaturen für Altsaxophon und Klavier (Teil 2)

Erfahrung DDR!-Stammtisch: „Die Rolle der Frauen in der DDR ̶ Mythos und Wirklichkeit“

Vor dem Gesetz war die Gleichstellung von Mann und Frau in der DDR anders als in der alten Bundesrepublik seit 1949 vollzogen und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Frauen- und Familienpolitik festgeschrieben. Dennoch war dies wohl nicht nur der gesellschaftlichen Fortschrittlichkeit des Sozialismus geschuldet. Krieg und Reparationen hatten das Land personell und wirtschaftlich ausgeblutet. Die Fluchtbewegung abertausender Menschen bis zum Mauerbau am 13. August 1961 führte zu Aderlass an Arbeitskräften. Später war es der unstillbare Personalbedarf der maroden DDR-Volkswirtschaft, der vor allem durch die uneingeschränkte Berufstätigkeit der Frauen, aber auch durch Gastarbeiter aus „sozialistischen Bruderstaaten“ kompensiert wurde.
Vor allem in der späten DDR der 1970er und 1980er Jahre heirateten Frauen jünger und wurden früher Mutter als in der alten Bundesrepublik. An Kinderbetreuungsplätzen mangelte es nicht. Gleichzeitig wiesen Frauen in der DDR oft eine bessere berufliche Ausbildung vor als im Westen.
Die Kehrseite: Nur Ehe und Kind ermöglichten die Zuteilung einer angemessenen Wohnung. Entsprechend hoch lag die Rate der Ehescheidungen und der Anteil alleinerziehender Frauen. Viele Frauen litten unter dem Druck der bestehenden Mehrfachbelastung von Beruf, Familie und Haushalt. Entgegen dem staatlichen Streben waren Frauen in der DDR zwar unverzichtbarere Teil der Arbeitswelt, aber nicht gleichberechtigt. Familie und Haushalt blieb Frauenarbeit. Ihr Anteil an Führungspositionen war verschwindend. Auch verdienten Frauen durchschnittlich weniger, als ihre männlichen Kollegen. Hält die Gleichberechtigung der Frauen in der DDR einer Realitätsprüfung also nicht stand? Wurden die Lasten zwischen Männern und Frauen in der Familie gerecht verteilt oder war der Internationale Frauentag nur ein gesellschaftliches Feigenblatt? Muss Gleichberechtigung von Frauen und Männern erkämpft sein, um auch gesellschaftlich anerkannt zu werden? Konnten sich Frauen in der DDR zwischen einer klassischen Rolle als Mutter und Hausfrau und einer Vollzeitberufstätigkeit entscheiden oder war dies gesellschaftlich und staatlich geächtet?
Darüber diskutiert der Stammtisch „Erfahrung DDR!“ am 16. März, 18:00 Uhr im Kaisertrutz.

Podiumsdiskussion con moto

Montag, 6. März 2017, 18:00 Uhr, Kaisertrutz
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rdnung  ̶  Sicherheit  ̶  Staatssicherheit

Es sind nicht nur vielfach positiv besetzte Themen wie „Kindheit und Jugend“ oder „Partnerschaft, Familie, Wohnung“, die bei den Bürgern der Stadt die unterschiedlichsten Erinnerungen an die DDR-Zeit wachrufen. Wir fragen auch nach weniger angenehmen Erfahrungen, die Görlitzer mit „Ordnung, Sicherheit, Staatssicherheit“ gemacht haben.

Musikalisch umrahmt von der Lausitzer Philharmonie und dem Verein PhilMehr! Philharmonische Brücken e. V. diskutieren unter anderem Lutz Rathenow, Sächsischer Beauftragter für die Stasi-Unterlagen, Harald Wenske, Hauptmann der DDR-Kriminalpolizei und bis 2008 Erster Hauptkommissar, Tobias Hollitzer vom Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig sowie Martin Pescheck als Angehöriger der DDR-Opposition über die Rolle von Staatssicherheit und Volkspolizei im Staatsapparat der DDR.

Gesprochen wird unter anderem über die Frage, ob die Aufarbeitung des DDR-Regimes zu sehr mit der Aufarbeitung der Tätigkeit der Staatssicherheit gleichgesetzt wird? Sollte man 27 Jahre nach der friedlichen Revolution das Kapitel Stasi, Verfolgung und Überwachung ruhen lassen? Wie immer ist das Publikum eingeladen, sich mit Fragen und Beiträgen an der Diskussion zu beteiligen.

 

 

Kulturhistorisches Museum zeigt 2017 wertvolle Kunstwerke

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Werkstatt des Bildhauers Matthias Bernhard Braun, Entwurf für eine Figurengruppe der „Kreuzabnahme Christi“, um 1715/20, Ton, Foto: Kulturhistorisches Museum Görlitz

Mit Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen und des Vereins der Freunde der Görlitzer Sammlungen konnte das Kulturhistorische Museum Görlitz im Herbst 2015 zwölf wertvolle Skulpturen aus der Sammlung des Meißener Weinhändlers Otto Horn ankaufen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte dieser eine umfangreiche Kollektion mit Figuren der Spätgotik, der Renaissance und des Barock zusammengetragen. Darunter befanden sich zahlreiche Stücke aus der Oberlausitz, vor allem aus dem Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern. Nach 1945 war die Sammlung enteignet und dem Stadtmuseum Meißen übergeben worden. In den 1990er Jahren erfolgte die Restitution an die vom Sammler testamentarisch errichtete Otto-und-Emma-Horn-Stiftung. Diese entschloss sich, die Stücke dem Willen des Stifters entsprechend zu verkaufen und den Erlös für die Stiftungsziele einzusetzen. Mehr als 70 bedeutende Bildwerke gelangten so 2015 in eine Auktion, darunter rund vierzig Kunstwerke aus der Oberlausitz – der wohl umfangreichste in Privatbesitz befindliche Bestand an Skulpturen aus der Region. Im Vorfeld der Auktion hatten sich die drei kommunalen Museen von Bautzen, Görlitz und Zittau darauf verständigt, mit vereinten finanziellen Kräften dieses für die Oberlausitzer Kunstgeschichte äußerst wertvolle Konvolut in Gänze zu erwerben. Angesichts gewichtiger Mitinteressenten gelang das jedoch leider nicht. Glücklicherweise konnte zumindest das Kulturhistorische Museum Görlitz im Nachgang der Auktion zwölf Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts, die aus St. Marienstern stammen, ankaufen. Diese wurden 2016 mit Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen restauriert. Mit den Arbeiten war die Dresdner Diplom-Restauratorin Katja Matauschek betraut.

Ab 2017 sollen die Skulpturen dauerhaft im Kulturhistorischen Museum gezeigt werden, wo bereits barocke Kunstwerke aus dem Kloster St. Marienstern zu sehen sind.

Stammtisch Erfahrung DDR!

Weihnachten in der DDR. Kirchliche und christliche Traditionen im Sozialismus.
Feierte eigentlich eine fest im Sozialismus verankerte Familie auch Weihnachten und die Ankunft Christi als Erlöser der Welt? Oder beging man das Weihnachtsfest nur als eine mehr oder weniger sinnentleerte Fortsetzung überkommener Traditionen? Schließen christliche Werte und Sozialismus einander aus und ist Religion „Opium fürs Volk“? Diesen und anderen Themen geht der erste Stammtisch zur Sonderausstellung „Erfahrung DDR!“ im Kaisertrutz nach. Die Ausstellungsmacher wollen mit den Görlitzer Bürgern ins Gespräch kommen. Diskutieren Sie mit und besuchen Sie gleichzeitig die Ausstellung!
Noch 1949 waren in der DDR etwa 90 Prozent der Bürger kirchlich gebunden, 1986 waren es nur noch zwischen 25 und 40 Prozent. Die sozialistische Bildungspolitik, die ein weltlich-atheistisches Weltbild propagierte, hatte also Früchte getragen. Dennoch erfuhren auch die Görlitzer Kirchen im Jahr der friedlichen Revolution 1989 anlässlich der Friedensgebete großen Zuspruch und waren Schutzraum für Andersdenkende und Oppositionelle.
Als Impulsgeber sind Peter Lobers (ehemaliger Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Görlitz), Joachim Rudolph (katholischer Theologe und Leiter des St. Wenzeslaus-Stifts in Jauernick-Buschbach), Margit Bätz (Stadträtin der Fraktion DIE LINKE und evangelisch konfirmiert) sowie Rolf Liebig (Regionalkoordinator des Sächsischen Jugendweihevereins in Görlitz und ehemaliger Lehrer) eingeladen. Das Gespräch moderiert der Görlitzer Museumsleiter Dr. Jasper v. Richtofen.
Freitag, 9.12.2016, 18:00 Uhr
Kulturhistorisches Museum Görlitz, Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1
Gesprächsarena in der Sonderausstellung

Der nächste Stammtisch findet am 19. Januar 2017 statt.

Erfahrung DDR! ist ein gesamtgesellschaftliches Experiment, das das Kulturhistorische Museum Görlitz in Kooperation mit dem Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e. V. (FVKS) gestartet hat. Das Projekt setzt auf die aktive Mitwirkung der Görlitzer Bürgerschaft. Die Görlitzer waren aufgerufen, sich mit ihrer Biographie auseinander zu setzen und ihre Erfahrungen an die DDR -Zeit an Nachgeborene und Hinzugezogene weiterzugeben.
Das Kulturhistorische Museum hat sich mit Partnern in der Stadt vernetzt, um den Stadtbewohnern museale Inhalte näher zu bringen und neue Zielgruppen zu erreichen.
Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Projekt im Fonds Stadtgefährten.