Görlitz von oben entdecken – Türmertag am 23. April

Wer hoch hinaus will, dem sei der Türmertag am 23. April 2017 in Görlitz empfohlen!
Görlitz von oben entdecken – dazu laden die Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur und der Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e. V. (FVKS) am Sonntag, dem 23. April 2017, von 10:00 bis 18:00 Uhr ein. Mit einem Ticket (Erwachsene 5,00 € , Kinder 6 -14 Jahre 3,00 €) können am Türmertag vier Türme besucht werden – der Dicke Turm, der Nikolaiturm, der Rathausturm und der Reichenbacher Turm. Die besondere Herausforderung besteht darin, mehr als 600 Stufen an einem Tag zu erklimmen. Bei entsprechendem Wetter wird man dafür mit einer tollen Aussicht belohnt.
Dazu können im Reichenbacher und im Nikolaiturm stadtgeschichtliche Ausstellungen erkundet werden.
Nach einem Probelauf in 2016 kümmert sich der FVKS in Kooperation mit dem Kulturhistorischen Museum Görlitz neben dem Dicken Turm und dem Rathausturm in diesem Jahr zusätzlich um den Nikolaiturm und bietet dort regelmäßig einen geführten Aufstieg an: von April bis Dezember jeden 2. und 4. Samstag im Monat (ausgenommen 22.4.!), immer zur vollen Stunde 14:00 / 15:00 / 16:00 Uhr (letzter Aufstieg).
Bitte beachten Sie, dass die Zahl der Besucher aus brandschutztechnischen Gründen beim Nikolai- und beim Rathausturm begrenzt ist und es infolge gegebenenfalls zu Wartezeiten kommen kann.
Der Reichenbacher Turm ist Teil des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Wenn Sie wissen wollen, wie die Türmer früher hier gelebt und welche Aufgaben sie erfüllt haben, begleiten Sie Klaus-Dieter Hübel am Türmertag, 23. April 2017, 10:00, 13:00 oder 15:00 Uhr auf den Turm. Die Tickets hierfür erhalten Sie an der Kasse im Kaisertrutz.

Nutzen Sie den Türmertag auch zur Teilnahme an der TurmParade! Mitmachen kann, wer mindestens drei Stempel bei den Führungen gesammelt hat. Einsendeschluss ist der 7. November 2017, die zehn Gewinner werden Ende November 2017 ausgelost. Der Hauptpreis sind zwei Übernachtungen mit Frühstück für 2 Personen in einem Görlitzer Hotel der gehobenen Kategorie oder ein Bus-Tagesausflug für zwei Personen ins polnische Niederschlesien oder nach Böhmen (Tschechien). Weitere Informationen dazu erhalten Sie unter https://turmtour.fvks.eu/turmparade/.

Ostern in unserem Museum

Museumspädagogin Tina Richter freut am Samstag, dem 15. April 2017, 15:00 Uhr auf viele Familien, denen sie in der Sonderausstellung „Erfahrung DDR!“ ein Rätsel aufgibt und alternativ ein Bastelangebot unterbreitet.

Zu einer Führung laden wir kunstinteressierte Besucher am Sonntag, dem 16. April, 15:00 Uhr in die Galerie der Moderne im Kaisertrutz ein. Klaus-Dieter Hübel wird den Fokus auf Expressionismus in Görlitz richten, der sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in der lokalen Kunst binnen kurzer Zeit etablierte. Die Kunstszene der Stadt hatte die neue Strömung begeistert aufgegriffen. Impulse kamen aus Dresden von der Künstlervereinigung „Die Brücke“ sowie aus Breslau/Wrocław, wo der Maler Otto Mueller wirkte. Einer seiner Schüler war der Görlitzer Willy Schmidt, von dem das Kulturhistorische Museum Görlitz mehrere Gemälde in der Galerie der Moderne zeigt. Klaus-Dieter Hübel wird auch auf die Neue Sachlichkeit eingehen, die in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre als Weiterentwicklung des Expressionismus entstand. Bei der Führung werden Sie dem Görlitzer Johannes Wüsten begegnen, der Gemälde, Plastiken, Zeichnungen und Druckgrafiken schuf. Überregional bekannt wurde er durch die Renaissance des Kupferstichs, der seit dem 19. Jahrhundert fast völlig in Vergessenheit geraten war.
Am Ostermontag, 17. April 2017, 15:00 Uhr präsentiert Dr. Constanze Herrmann den Gästen das Barockhaus Neißstraße 30 Von A wie Ameiß bis Z wie „Zur gekrönten Schlange“. Erfahren Sie mehr über die Bürgerliche Kultur des Barock sowie Kunst und Wissenschaft um 1800. Während im ersten Geschoss die Wohnräume des früheren Hausherrn Johann Christian Ameiß die Lebensart von Görlitzer Bürgern zu dieser Zeit eindrucksvoll vor Augen führen, gilt die Aufmerksamkeit im zweiten Geschoss dem Wirken der 1779 gegründeten Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und der Forschungstätigkeit und Sammelleidenschaft ihrer Mitglieder.
In den Osterferien sind Familien am Mittwoch, dem 19. April 2017, 15:00 Uhr herzlich zum Experimentieren ins Physikalische Kabinett im Barockhaus Neißstraße 30 eingeladen. Dr. Constanze Herrmann ist unsere Fachwissenschaftlerin, „Wenn es knallt und Funken schlagen“. Die Teilnehmer werden staunen, womit sich der Mitbegründer der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und Urheber des Physikalischen Kabinetts, Adolf Traugott von Gersdorf, bereits vor mehr als 200 Jahren beschäftigt hat und welche Forschungen er betrieb. Auch wissenschaftlich Interessierte werden von den Effekten bei den Live-Experimenten überrascht sein.

 

Ostern in der DDR

– dieses Erlebnis wollen die Museumsmitarbeiter den Ausstellungsbesuchern über die Osterferien vermitteln. 15 Leihgeber haben auf unseren Aufruf nach Osterdekoration aus DDR-Zeit reagiert und uns weitere Exponate zur Verfügung gestellt.
Hasen in verschiedenen Ausführungen, Ostereier aus Kunststoff und Holz, Anhänger für Ostersträuße, Tischdecken und vieles mehr warten nun darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. „Den kleinen Hasen mit Rolle für 3,40 Mark hat mir meinen  Oma geschenkt. .. Die zwei kleinen und der größere Holzhase standen im Schaufenster von „Strutz“ auf der Berliner Straße. … Mit unseren Kindern haben wir die Holzhasen mit  den Lederohren gebastelt.“, erzählt die Görlitzerin Heidi Lehmann. Sie schrieb ihre Erinnerungen auf, wie Ostern früher zu Hause gefeiert wurde: „Es war fast unspektakulär. In der Karwoche gingen wir bis Gründonnerstag arbeiten und die Kinder in die Schule oder den Kindergarten. Der Karfreitag als Feiertag wurde ziemlich ruhig begangen. Zum Mittagessen gab es immer Spinat, Kartoffeln und Rührei. Heute noch. Am Ostersonntag ist ein Familienmittagessen Tradition. … Ostereier für die Kinder wurden in der Wohnung versteckt.“
Sicher kommt Ihnen einiges bekannt vor. Doch wie haben Sie Ostern gefeiert? Das können Sie uns gern in den in der Ausstellung ausliegenden Büchern mitteilen.

Die Sonderausstellung „Erfahrung DDR!“ kann noch bis zum 1. Mai 2017 im Kaisertrutz besichtigt werden.

Zu einem Familiennachmittag lädt das Kulturhistorische Museum am Ostersamstag, 15. April 2017, 15:00 Uhr in den Kaisertrutz ein. Tina Richter freut sich auf große und kleine Besucher und wird zu „Ostern im Museum“ Spiele und Basteln anbieten.

Podiumsdiskussion con moto „3. Generation Ost“

Als „3. Generation Ost“ werden die sogenannten „Wendekinder“ bezeichnet, die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren wurden. Sie wuchsen infolge der durch die friedliche Revolution eingeleiteten Wende und Wiedervereinigung Deutschlands in zwei politischen Systemen auf und nahmen entsprechende Veränderungen, Konflikte und Krisen, die ihre Familien und auch sie selbst betrafen, bewusst wahr.
Die Umbrucherfahrung von 1989 hatte einen merklichen Einfluss auf diese Generation, denn sie erlebte den umfassenden Systemwandel mit, der nicht nur Reisefreiheit und Konsummöglichkeiten, sondern oft auch Unsicherheit, Trennungen, Umzüge und Arbeitslosigkeit für ihre Eltern mit sich brachte. Und die Erwachsenen konnten in dieser Zeit nicht oder kaum eine Richtung vorgeben und waren selbst mit der Neuordnung ihres Lebens beschäftigt. Diese Orientierungslosigkeit und Unsicherheit der Eltern sowie die eigene Identitätssuche holte viele der „Wendekinder“ wieder ein.
Das Land, das sie aus ihrer Kindheit kannten, existierte real nicht mehr, war aber noch in den Köpfen vorhanden. Viele aus der dritten Generation Ost wanderten im Zuge der Arbeitssuche in Richtung Westdeutschland oder ins westliche Ausland ab, so dass in vielen Gemeinden kaum noch „Wendekinder“ zu finden sind und meist die ältere Generation zurückblieb. In einigen Städten wurden ganze Wohnkomplexe abgerissen, so dass einige Repräsentanten der dritten Generation nicht einmal mehr an die Orte ihrer Kindheit zurückgehen können, da diese baulich nicht mehr existieren.
Über diese Thematik soll am 20. März 2017, 18:00 Uhr im Kaisertrutz diskutiert werden. Als Podiumsgäste begrüßen wir dazu mit Heiko Kammler, Kristin Schütz, Robert Lorenz und Mirko Schultze Vertreter der 3. Generation Ost.
Die Moderation führen Jasper v. Richthofen und Matthias Krick.
Den musikalischen Rahmen gestaltet der PhilMehr! Philharmonische Brücken e. V.
Eröffnung: Thomas Stapel – Goliath-Skizzen für Altsaxophon und Klavier 2. Nach der Begrüßung/Einführung/Impuls: Thomas Stapel – Traumfäden für Violine und Klavier 3. Zwischenspiel (während der Diskussion): Thomas Stapel – Fünf Tanzminiaturen für Altsaxophon und Klavier (Teil 1) 4. Abschluss: Thomas Stapel: Fünf Tanzminiaturen für Altsaxophon und Klavier (Teil 2)

Erfahrung DDR!-Stammtisch: „Die Rolle der Frauen in der DDR ̶ Mythos und Wirklichkeit“

Vor dem Gesetz war die Gleichstellung von Mann und Frau in der DDR anders als in der alten Bundesrepublik seit 1949 vollzogen und auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Frauen- und Familienpolitik festgeschrieben. Dennoch war dies wohl nicht nur der gesellschaftlichen Fortschrittlichkeit des Sozialismus geschuldet. Krieg und Reparationen hatten das Land personell und wirtschaftlich ausgeblutet. Die Fluchtbewegung abertausender Menschen bis zum Mauerbau am 13. August 1961 führte zu Aderlass an Arbeitskräften. Später war es der unstillbare Personalbedarf der maroden DDR-Volkswirtschaft, der vor allem durch die uneingeschränkte Berufstätigkeit der Frauen, aber auch durch Gastarbeiter aus „sozialistischen Bruderstaaten“ kompensiert wurde.
Vor allem in der späten DDR der 1970er und 1980er Jahre heirateten Frauen jünger und wurden früher Mutter als in der alten Bundesrepublik. An Kinderbetreuungsplätzen mangelte es nicht. Gleichzeitig wiesen Frauen in der DDR oft eine bessere berufliche Ausbildung vor als im Westen.
Die Kehrseite: Nur Ehe und Kind ermöglichten die Zuteilung einer angemessenen Wohnung. Entsprechend hoch lag die Rate der Ehescheidungen und der Anteil alleinerziehender Frauen. Viele Frauen litten unter dem Druck der bestehenden Mehrfachbelastung von Beruf, Familie und Haushalt. Entgegen dem staatlichen Streben waren Frauen in der DDR zwar unverzichtbarere Teil der Arbeitswelt, aber nicht gleichberechtigt. Familie und Haushalt blieb Frauenarbeit. Ihr Anteil an Führungspositionen war verschwindend. Auch verdienten Frauen durchschnittlich weniger, als ihre männlichen Kollegen. Hält die Gleichberechtigung der Frauen in der DDR einer Realitätsprüfung also nicht stand? Wurden die Lasten zwischen Männern und Frauen in der Familie gerecht verteilt oder war der Internationale Frauentag nur ein gesellschaftliches Feigenblatt? Muss Gleichberechtigung von Frauen und Männern erkämpft sein, um auch gesellschaftlich anerkannt zu werden? Konnten sich Frauen in der DDR zwischen einer klassischen Rolle als Mutter und Hausfrau und einer Vollzeitberufstätigkeit entscheiden oder war dies gesellschaftlich und staatlich geächtet?
Darüber diskutiert der Stammtisch „Erfahrung DDR!“ am 16. März, 18:00 Uhr im Kaisertrutz.