Görlitzer Sammlungen forschen zu Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus

Bereits seit den 1990er Jahren wissen die Görlitzer Sammlungen, dass Objekte in ihren Beständen während der Zeit des Nationalsozialismus zum Teil unter unrechtmäßigen Umständen erworben wurden. Sie stammten aus jüdischen Privatsammlungen, deren Eigentümer von den Nationalsozialisten enteignet, aus dem Land getrieben oder umgebracht worden waren. Einzelne Kunstwerke, wie zwei Gemälde von Lovis Corinth und Max Slevogt, wurden vor einigen Jahren bereits an die Nachfahren jener Sammler, denen sie einst gehörten, zurückgegeben.

Nun haben die Görlitzer Sammlungen ein Forschungsprojekt begonnen, das systematisch sämtliche Neuerwerbungen aus den Jahren 1933 bis 1945 auf ihre Herkunft und Rechtmäßigkeit überprüft. Damit folgt die Stadt Görlitz der Washingtoner Erklärung, mit der sich 44 Staaten verpflichtet haben, nach Kulturgut zu restituieren, das während der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig erworben wurde. In Deutschland haben sich die Bundesregierung, die Landesregierungen sowie die kommunalen Spitzenverbände daraufhin verständigt, entsprechende Forschungen in Museen, Bibliotheken und Archiven durchzuführen.

In den Görlitzer Sammlungen werden diese Forschungen nunmehr möglich dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Seit Juli recherchiert Dr. Katarzyna Zinnow als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Inventarbüchern und Akten des Museums. Ein Jahr lang wird sie die Herkunft von Objekten prüfen sowie nach Beschreibungen und Bilddokumenten zu Sammlungsgütern suchen. Die Ergebnisse ihrer Forschungen werden zukünftig in der Datenbank www.lostart.de veröffentlicht, in der Kriegsverluste und NS-Raubgut dokumentiert sind.

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