Geschichte

Im Herzen der Görlitzer Altstadt, direkt an der über 900 Jahre alten Handelsstraße via regia und dem Untermarkt, befindet sich das Barockhaus Neißstraße 30. Es entstand 1726 bis 1729 für den Handelsherrn Johann Christian Ameiß. Mit großen Geschäfts- und repräsentativen Privaträumen gilt es als das bedeutendste Handels- und Wohnhaus der Barockzeit in Görlitz. Zugleich ist es seit langem geistiges Zentrum der Oberlausitz. Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften – gegründet 1779 – hatte hier von 1804 bis 1945 ihren Sitz. Seit 1951 ist das Haus Teil des städtischen Museums.

Nach umfassender Sanierung konnten am 30. Juli 2011 die historischen Räume der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften im 1. Obergeschoss sowie die Ausstellung zu den Sammlungen und der Arbeit der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften im 2. Obergeschoss wiedereröffnet werden. Im September 2012 konnten auch die ehemaligen Wohnräume des Hausherrn und die barocken Sammlungskabinette wieder öffentlich zugänglich gemacht werden. Sie vermitteln einen authentischen Eindruck der bürgerlichen Kultur des Barocks in Görlitz und der Oberlausitz, die eher einem Adelshaus nahe kommt. Zugleich gilt es als eines der wichtigsten Häuser der Aufklärung in Deutschland. 

In Mittelalter und früher Neuzeit gehörte die Südostecke des Untermarktes zu den privilegierten Wohnlagen. Bis zum Stadtbrand im Jahre 1726 befanden sich hier zwei bedeutende Bierhöfe mit Hinterhäusern.

1727 bis 1729 wurde das Haus nach dem Stadtbrand von 1726 für den Leinwand- und Damasthändler Christian Ameiß aus Zittau neu errichtet. Nach dem Vorbild der Leipziger Handelshöfe entstand der prächtigste Barockbau der Stadt. Die Anlage mit Einfahrt, zwei Höfen und hinterer Ausfahrt ist mit der repräsentativen Raumgliederung und reichen Stuckdecken im Inneren bis heute erhalten.

1804 wurde das Haus Sitz der 1779 gegründeten Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, deren Bibliothek und Sammlungen seither hier aufgestellt sind.

1805 bezog die Freimaurerloge „Zur gekrönten Schlange“ Räume im 2. Obergeschoss des Vorderhauses.

1932 wurde das Graphische Kabinett mit den zusammengeführten Beständen des Kaiser-Friedrich-Museums, der Milich´schen Bibliothek und der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften eröffnet.

1945 wurde die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften durch die sowjetische Militärverwaltung aufgelöst. Das Haus mitsamt der historischen Bibliothek und den wissenschaftsgeschichtlichen Sammlungen ging 1950 in den Besitz der Stadt Görlitz über.

1951 öffnete das Barockhaus als zweites Museumsgebäude der Städtischen Kunstsammlungen, des heutigen Kulturhistorischen Museums.

2000 wurde die neue Jacob-Böhme-Ausstellung eröffnet.

2002 wurde im Erdgeschoss der Johannes-Wüsten-Saal als Veranstaltungs- und Vortragsraum eingeweiht.

2010 begannen umfassende Sanierungsarbeiten im Barockhaus und den angrenzenden Gebäuden Handwerk 1 und 2.

2011 am 29. Juli konnte das sanierte Barockhaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Im Oktober des Jahres schloss sich 2. Bauabschnitt mit der Sanierung der Häuser Handwerk 1 und 2 an.

2012 seit 7. September sind die ehemaligen Wohnräume des Hausherrn und die barocken Sammlungskabinette für Besucher geöffnet.

2013 Eröffnung des neuen Depotgebäudes im Handwerk 1 und 2 und Schaffung eines Durchgangs zwischen Neiß- und Weberstraße